CPA vs. Spironolacton: Klinischer Vergleich bei der Wahl des Antiandrogens
CPA (Cyproteronacetat, meist unter dem Namen Androcur vertrieben) und Spironolacton (Aldactone) sind die beiden am häufigsten eingesetzten Antiandrogene in der transfemininen HRT. Diese Seite stellt sie Dimension für Dimension entlang der klinisch entscheidenden Achsen gegenüber. Sie spricht keine allgemeingültige Empfehlung aus — die Wahl sollte eine behandelnde Person anhand deiner individuellen Begleiterkrankungen, der Monitoringmöglichkeiten und der Verfügbarkeit treffen.
Auf einen Blick
Abschnitt betitelt „Auf einen Blick“| Dimension | CPA (Androcur) | Spironolacton (Aldactone) |
|---|---|---|
| Wirkmechanismus | Agonismus am Progesteronrezeptor + schwacher AR-Antagonismus + LH/FSH-Suppression | Aldosteron-Antagonismus (kaliumsparendes Diuretikum) + AR-Antagonismus in hoher Dosis |
| Wirksamkeit der T-Suppression | Zuverlässiger (negative Rückkopplung an der Hypophyse) | Mäßig (überwiegend Rezeptorblockade; das Serum-T erreicht ggf. nicht den Kastrationsbereich) |
| Standarddosis | 5-12,5 mg/Tag | 100-300 mg/Tag |
| Evidenzgrad | A | A |
| Schwerstes Langzeitrisiko | Meningeom (dosisabhängig, kumulativ) | Hyperkaliämie (nierenfunktionsabhängig) |
| Monitoring-Schwerpunkt | Leberfunktion · Prolaktin · kumulative Dosis · Kopfschmerz/Sehveränderungen | Kalium · Nierenfunktion · Blutdruck |
| Verfügbarkeit | Verschreibungspflichtig; erhältlich in psychiatrischen/endokrinologischen Ambulanzen | In Kardiologie/Nephrologie vorrätig; vergleichsweise leicht erhältlich |
| Monatliche Kosten | gering bis moderat | sehr gering |
Unterschiede im Wirkmechanismus
Abschnitt betitelt „Unterschiede im Wirkmechanismus“CPA: Suppression über mehrere Wege, primär über negative Rückkopplung
Abschnitt betitelt „CPA: Suppression über mehrere Wege, primär über negative Rückkopplung“CPA schwächt die Androgenwirkung über drei Mechanismen ab [15] :
- Negative Rückkopplung über den Progesteronrezeptor (primär): hemmt das hypothalamische GnRH → vermindertes hypophysäres LH/FSH → reduzierte Testosteronsynthese
- Schwacher Androgenrezeptor-Antagonismus: deutlich schwächer als Bicalutamid, klinisch nur begrenzt relevant
- Leichte 5α-Reduktase-Hemmung: vermindert die Umwandlung von T → DHT
Ergebnis: Das Serum-Testosteron fällt in der Regel in den weiblichen Bereich (<50 ng/dL); in Kombination mit Estrogen ist die Wirkung stabiler.
Spironolacton: zweigleisig über Aldosteron und Androgen
Abschnitt betitelt „Spironolacton: zweigleisig über Aldosteron und Androgen“Spironolacton ist ursprünglich ein kaliumsparendes Diuretikum; seine antiandrogene Wirkung beruht in hoher Dosierung auf einer kompetitiven Blockade des Androgenrezeptors [7] [23] :
- Antagonismus am Aldosteronrezeptor (Hauptmechanismus): kaliumsparende Diurese, senkt den Blutdruck
- Antagonismus am Androgenrezeptor (in hoher Dosis): tritt ab 100 mg auf
- Leichte Hemmung der Testosteronsynthese: Mechanismus nicht vollständig geklärt
Ergebnis: Das Serum-Testosteron sinkt möglicherweise nur mäßig oder bleibt im Normbereich, doch die Androgenwirkung auf Gewebeebene wird blockiert, und eine klinische Feminisierung ist dennoch erreichbar.
Wirksamkeit der T-Suppression
Abschnitt betitelt „Wirksamkeit der T-Suppression“| Parameter | CPA 5-12,5 mg | Spironolacton 100-300 mg |
|---|---|---|
| Mediane Senkung des Serum-Testosterons | 80-95% | 30-60% |
| Anteil im weiblichen Bereich (<50 ng/dL) | Höher | Niedriger; meist zusätzliche E2-Gabe erforderlich |
| Wirkeintritt | 4-8 Wochen | 6-12 Wochen |
| Wirkung auf DHT | Mäßig | Indirekt über AR-Blockade vermindert |
Kernpunkt: Wenn du eher „auf die Laborwerte schaust“ (also T-Werte im weiblichen Bereich anstrebst), erreichst du dieses Ziel mit CPA leichter; wenn es dir mehr um die spürbaren Veränderungen geht (Körperbehaarung, Talg, Libido), können beide Mittel wirksam sein.
Nebenwirkungsprofil
Abschnitt betitelt „Nebenwirkungsprofil“Hauptrisiken von CPA
Abschnitt betitelt „Hauptrisiken von CPA“Weitere Risiken:
- Lebertoxizität: ALT/AST-Erhöhung, selten akutes Leberversagen; Leberfunktion alle 3-6 Monate kontrollieren
- Niedergeschlagene Stimmung / Depression: gestagene Wirkung, von ~10-20 % der Anwender:innen berichtet
- Hyperprolaktinämie: PRL überwachen; eine anhaltende Erhöhung spricht für eine Dosisreduktion
- Verminderte Libido: erwartete Folge der ausgeprägten T-Suppression; manche Anwender:innen empfinden dies als belastend
Hauptrisiken von Spironolacton
Abschnitt betitelt „Hauptrisiken von Spironolacton“Weitere Risiken:
- Polyurie / Nykturie: diuretische Wirkung; die meisten tolerieren sie innerhalb von 4-8 Wochen
- Hypotonie / orthostatischer Schwindel: in der Anfangsphase ausgeprägt
- Brustspannen: häufig, erfordert in der Regel kein Absetzen
- Libidoschwankungen: erhebliche individuelle Unterschiede
Kontraindikationen
Abschnitt betitelt „Kontraindikationen“| Kontraindikation | CPA | Spironolacton |
|---|---|---|
| Meningeom in der Vorgeschichte | Absolute Kontraindikation | Sicher |
| Schwere Leberfunktionsstörung | Kontraindiziert | Mit Vorsicht anwenden |
| Niereninsuffizienz (eGFR <30) | Dosis reduzieren | Kontraindiziert |
| Bekannte Hyperkaliämie | Sicher | Kontraindiziert |
| Gleichzeitige ACE-Hemmer/ARB ohne Monitoring | Sicher | Kontraindiziert |
| Aktive depressive/bipolare Episode | Mit Vorsicht anwenden | Relativ sicher |
| Schwangerschaft (bei fertilen Anwender:innen) | Kontraindiziert | Kontraindiziert |
Monitoring-Zeitplan
Abschnitt betitelt „Monitoring-Zeitplan“| Zeitpunkt | CPA | Spironolacton |
|---|---|---|
| Ausgangswert | Leberfunktion · Prolaktin · MRT (optional) | Kalium · Nierenfunktion · Blutdruck |
| Woche 2 | — | Kalium · Blutdruck |
| Woche 6-8 | Testosteron · Leberfunktion · Prolaktin | Testosteron · Kalium · Nierenfunktion |
| Alle 3-6 Monate | Leberfunktion · Prolaktin · Überprüfung der kumulativen Dosis | Kalium · Nierenfunktion |
| Jährlich | Schädel-MRT (bei Langzeitanwendung) | Brustuntersuchung |
Verfügbarkeit und Bezug
Abschnitt betitelt „Verfügbarkeit und Bezug“- CPA: Androcur 10 mg und 50 mg sind die gängigen Packungsformen; daneben gibt es Generika (Cyproteronacetat-ratiopharm u. a.). In DACH kann CPA von Endokrinologie, Gynäkologie und Psychiatrie verordnet werden. Kassenerstattung bei Indikation F64.0 / HA60.
- Spironolacton: Aldactone in 25 mg / 50 mg / 100 mg; in DACH als Kassenleistung erhältlich (Hauptindikation kardiologisch/nephrologisch). Günstig als Generikum verfügbar.
Graumarkt / Versand aus dem Ausland: nicht empfohlen, wegen Fälschungsrisiko, unkontrollierter Lagertemperaturen und fehlender Rückverfolgbarkeit.
Wie du wählst (klinischer Entscheidungsrahmen)
Abschnitt betitelt „Wie du wählst (klinischer Entscheidungsrahmen)“CPA bevorzugen, wenn:
- du T-Werte im weiblichen Bereich anstrebst
- eine Spironolacton-Monotherapie das Testosteron nicht ausreichend senkt
- bei dir Nierenprobleme oder eine Neigung zu erhöhtem Kalium bestehen
- du die diuretischen Wirkungen von Spironolacton nicht verträgst
Spironolacton bevorzugen, wenn:
- du jung bist und eine Langzeit-HRT (>5 Jahre) planst, bei der die kumulative Dosis ins Gewicht fällt
- bei dir ein Meningeom in der Vorgeschichte oder ein auffälliges Ausgangs-MRT vorliegt
- du zugleich eine Blutdruckkontrolle oder einen kardiovaskulären Schutz benötigst
- CPA nicht verfügbar oder finanziell belastend ist
Einen GnRH-Agonisten erwägen, wenn:
- sowohl CPA als auch Spironolacton kontraindiziert/nicht tolerierbar sind
- du eine maximale T-Suppression benötigst (Übergangsphase vor der Gonadektomie)
- die finanzielle Situation es zulässt
E2-Injektion als Monotherapie / hochdosierte Monotherapie:
- Manche Anwender:innen erreichen unter hochdosierter E2-Injektion eine natürliche T-Suppression und können das Antiandrogen absetzen
- Muss unter ärztlicher Aufsicht mit kontinuierlichem Blutmonitoring erfolgen
Ablauf der Umstellung
Abschnitt betitelt „Ablauf der Umstellung“Siehe den ausführlichen Leitfaden: Vollständiger Leitfaden zum Antiandrogen-Wechsel