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Transdermales Estradiolgel

雌激素 A

Estradiolgel (Gynokadin)

Estradiolgel (Gynokadin, Estrogel, Sandrena)

Transdermal

Beim transdermalen Gel wird Estradiol direkt über die Haut aufgenommen, sodass der First-Pass-Metabolismus der Leber vollständig umgangen wird. Das VTE-Risiko (Thromboserisiko) entspricht dem ausgezeichneten Sicherheitsprofil der Pflaster [1] . Damit liegt das Gel auf einem idealen Mittelweg zwischen Pflaster und Tablette – besonders geeignet für alle, die sich die Sicherheit der transdermalen Aufnahme wünschen und ihre Tagesdosis zugleich flexibel anpassen möchten.

Produktfoto der Estrogel Estradiolgel-Pumpflasche

Wie das Pflaster umgeht auch das transdermale Gel den Verdauungstrakt und die Leber vollständig. Das bedeutet:

  • Minimales VTE-Risiko: Das Thromboserisiko ist praktisch nicht höher als in der nicht behandelten Bevölkerung (RR ≈ 0,97) [1] und damit deutlich sicherer als orale Verabreichungswege.
  • Geringe Leberbelastung: Der gewöhnliche Lebermetabolismus wird umgangen, was die Leberfunktion schont [2] .
  • Ideal bei erhöhtem Risiko: Ausdrücklich empfohlen für Anwenderinnen mit höherem BMI, höherem Lebensalter oder Gerinnungsstörungen in der Familiengeschichte [3] .
PhaseDosisHinweis
Startdosis 1.5 mg/Tag Für die niedrig dosierte Einstiegsphase (Monat 1-6).
Erhaltungsdosis 3 mg/Tag Standard-Erhaltungsdosis für die meisten Anwenderinnen.
Höchstdosis 6 mg/Tag Die Resorptionsraten schwanken stark; nur in Betracht zu ziehen, wenn Blutwerte eine schlechte Aufnahme bei niedrigeren Dosen bestätigen.

Diese Bereiche orientieren sich an den Endocrine Society 2017 Guidelines [2] und WPATH SOC 8 [3] . Wie viel Estradiol tatsächlich durch die Haut aufgenommen wird, hängt sehr stark von deiner individuellen Hautdicke und Hautfeuchtigkeit ab – Dosisanpassungen müssen sich deshalb strikt nach den Laborergebnissen richten.

Auftragstellen für das Gel: Innenseiten der Oberarme, Innenseiten der Oberschenkel, Bauch. Brustbereich meiden.
  1. Haut vorbereiten: Achte darauf, dass die Haut vollständig trocken und sauber ist und keine Schnitte, Hautausschläge oder Reste anderer Cremes aufweist.
  2. Stelle auswählen: Empfohlen sind die Innenseiten der Arme, die Innenseiten der Oberschenkel oder der Bauch. Trage es niemals auf den Brüsten oder im Brustbereich auf.
  3. Auftragen: Verteile das Gel in einer dünnen, gleichmäßigen Schicht über eine ausreichend große Fläche (etwa so groß wie 1-2 Handflächen). Reibe es sanft ein, ohne kräftig zu massieren.
  4. Trocknungszeit: Warte 3-5 Minuten, bis das Gel vollständig getrocknet ist, bevor du Kleidung über die Stelle ziehst.
  5. Kontakt vermeiden: Lass die behandelte Stelle nicht mit der Haut anderer Personen (Partner:innen, Haustiere, Kinder) in Berührung kommen, solange sie nicht abgewaschen oder bedeckt ist.
  6. Hände waschen: Wasche dir unmittelbar danach gründlich die Hände mit Seife und Wasser.
  • Trage es jeden Tag zur selben Zeit auf, um den Verlauf der Blutspiegelkurve zu stabilisieren.
  • Wechsle die Auftragsstellen täglich, um lokalen Hautreizungen vorzubeugen.
  • Verzichte mindestens 1 Stunde nach dem Auftragen aufs Schwimmen, Baden oder starkes Schwitzen.
  • Mische keine Hautpflege darunter: Sonnencremes oder reichhaltige Feuchtigkeitscremes direkt über oder unter dem Gel können physikalische Barrieren bilden, die die Resorption zunichtemachen.
  • Wenn du eine Dosis vergisst: Trage sie auf, sobald es dir wieder einfällt. Ist die nächste Dosis aber schon fast fällig, lass die vergessene Dosis ganz aus. Verdopple deine Dosis nicht.

Wenn du das Gel täglich verwendest, sollte das Blut idealerweise 4-6 Stunden nach dem Auftragen abgenommen werden, da dieser Zeitpunkt den pharmakokinetischen Steady-State erfasst. Alternativ kannst du kurz vor dem nächsten Auftragen messen (den Talspiegel), ähnlich wie bei oralen Tabletten [2] .

Für welche Methode du dich auch entscheidest – bleibe bei jeder künftigen Laboruntersuchung konsequent dabei, damit deine Werte vergleichbar bleiben.

Estradiolgel ist im DACH-Raum breit verfügbar und auf Kassenrezept erhältlich. In Deutschland ist Gynokadin Gel (Dr. Kade/Besins) das bekannteste Präparat; daneben gibt es Estrogel, Divigel und Sandrena. In Österreich und der Schweiz sind vergleichbare Produkte erhältlich. Dank des hervorragenden Sicherheitsprofils wird es von vielen Ärzt:innen als Erstlinientherapie bevorzugt. Im weltweiten DIY-Bereich ist es mäßig zugänglich.


Quellen

  1. Canonico M et al. Hormone therapy and venous thromboembolism: an updated overview. Climacteric 2018.
  2. Hembree WC et al. Endocrine Treatment of Gender-Dysphoric/Gender-Incongruent Persons. J Clin Endocrinol Metab 2017;102(11):3869-3903. DOI:10.1210/jc.2017-01658
  3. Coleman E et al. Standards of Care for the Health of Transgender and Gender Diverse People, Version 8. Int J Transgend Health 2022;23(S1):S1-S259. DOI:10.1080/26895269.2022.2100644