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Antiandrogene im Überblick

Bei den meisten trans Frauen reicht Estradiol allein – gerade in den üblichen Tablettendosierungen – nicht aus, um den Testosteronspiegel (T) in den weiblichen Zielbereich (< 50 ng/dL) abzusenken [1] . Antiandrogene (Testosteronblocker) kommen deshalb gemeinsam mit Estradiol zum Einsatz: Sie drosseln entweder die Testosteronproduktion selbst oder verhindern, dass sich Testosteron an die Rezeptoren deiner Zellen bindet – und machen so den Weg für die Feminisierung frei [2] .

Ein wichtiger Vorbehalt jedoch: Nicht jede Person braucht ein Antiandrogen. Wenn du ein hochdosiertes Estradiol-Regime nutzt – vor allem als Injektion –, das deinen Testosteronspiegel schon von allein zuverlässig in den Zielbereich drückt, ist ein zusätzlicher Testosteronblocker biologisch überflüssig und setzt dich nur unnötigen Nebenwirkungen aus [3] . Dieses Vorgehen nennt man „Monotherapie”.

MedikamentCPA (Androcur)SpironolactonBicalutamidGnRH-Agonisten
Generischer Name Cyproteronacetat Spironolacton Bicalutamid Leuprorelin / Goserelin
Wirkmechanismus Negative Rückkopplung als Gestagen (unterbindet die T-Produktion) Schwacher AR-Antagonist (unterbindet die T-Produktion nicht) Starker AR-Antagonist (unterbindet die T-Produktion nicht) Schaltet die HPG-Achse vollständig ab (senkt T direkt auf Kastrationsniveau)
Wirksamkeit Stark (senkt T in den weiblichen Bereich) Schwach (blockiert Rezeptoren, T bleibt hoch) Senkt T nicht (T kann sogar ansteigen) Mit Abstand am stärksten (chemische Kastration)
Übliche Dosis 5-12.5 mg/Tag 50-200 mg/Tag 25-50 mg/Tag Variiert strikt je nach Injektionsform
Anwendung Oral Oral Oral Subkutane / i.m. Injektion
Wesentliche Risiken Meningeome (≥25mg) Lebertoxizität / Depression Hyperkaliämie (tödliche Kaliumanstiege) Niedriger Blutdruck Lebertoxizität Erschwert die Auswertung von Blutwerten Verminderte Knochendichte Reaktionen an der Injektionsstelle
Leitlinien-Status Empfohlen von ES 2017 & WPATH SOC 8 Empfohlen von ES 2017 & WPATH SOC 8 NICHT für den Standardeinsatz empfohlen Von Leitlinien nachdrücklich empfohlen
Weltweite Verfügbarkeit In den USA verboten. Gängig in EU/UK/Asien. Standard in den USA. Weltweit erhältlich. Weltweit verschreibungspflichtig. Wegen des Preises extrem eingeschränkt.

Welches Antiandrogen für dich infrage kommt, sollte sich nach deinem gesundheitlichen Ausgangsbefund, der Verfügbarkeit vor Ort und deinem Budget richten [2] :

Die ideale Wahl: GnRH-Agonisten (Pubertätsblocker)

Abschnitt betitelt „Die ideale Wahl: GnRH-Agonisten (Pubertätsblocker)“
  • Geeignet für: Personen mit Zugang zu einem öffentlichen Gesundheitssystem (GKV mit Indikation, NHS) oder mit den Mitteln für Selbstzahlerkosten.
  • Vorteil: Unübertroffene Wirksamkeit. Schaltet die Testosteronproduktion makellos ab, praktisch ohne Organtoxizität.
  • Nachteil: Sehr teuer (im DACH-Raum ca. 150–500 € pro Depotinjektion als Selbstzahler:in) und auf Injektionen angewiesen. Eine GKV-Erstattung ist bei entsprechendem Indikationsschreiben möglich, aber nicht garantiert.

Der verlässliche Standard (außerhalb der USA): niedrig dosiertes CPA

Abschnitt betitelt „Der verlässliche Standard (außerhalb der USA): niedrig dosiertes CPA“
  • Geeignet für: Die übliche Erstlinienwahl im DACH-Raum, in der EU und in Asien. In Deutschland als Androcur auf Kassenrezept erhältlich.
  • Vorteil: Äußerst potent. Senkt den Testosteronspiegel zuverlässig und kostengünstig.
  • Nachteil: In den USA von der FDA nicht zugelassen. Dosen über 12,5 mg bergen das Risiko von Hirntumoren (Meningeomen). Die EMA hat 2020 strenge Beschränkungen erlassen.
  • Geeignet für: Das übliche Antiandrogen in den USA. Im DACH-Raum eher Reserveoption, wenn CPA nicht vertragen wird.
  • Vorteil: Weltweit erhältlich und günstig.
  • Nachteil: Es ist ein Diuretikum (man muss ständig zur Toilette) und birgt das lebensbedrohliche Risiko einer Hyperkaliämie (tödlicher Kaliumstau). Zudem blockiert es die Rezeptoren, statt die T-Produktion zu unterbinden, was die Auswertung von Blutwerten erschwert.
  • Geeignet für: Personen, die Spiro oder CPA nicht vertragen — ausschließlich in enger Begleitung durch eine Endokrinologin oder einen Endokrinologen.
  • Vorteil: Außerordentlich wirksam bei der Blockade des Androgenrezeptors. Erhält die Sexualfunktion besser als CPA.
  • Nachteil: Klare Risiken einer Lebertoxizität. Da es ausschließlich Rezeptoren blockiert, ohne die T-Produktion zu senken, schnellt dein Testosteronspiegel im Blut sogar in die Höhe (auch wenn das Testosteron nichts mehr bewirken kann). Das macht eine Dosierung anhand der üblichen Blutwerte nahezu unmöglich.
  • CPA (Cyproteronacetat) — Der weltweit am häufigsten verwendete Blocker; Dosisgrenzen und Risiken von Hirntumoren.
  • Spironolacton — Der US-Standard; den lebensbedrohlichen Hyperkaliämie-Risiken begegnen.
  • Bicalutamid — Die unkonventionelle Alternative; die Leberrisiken und die verwirrenden Blutwerte im Blick behalten.
  • GnRH-Agonisten — Die vollständige Abschaltung als Goldstandard; Kosten und Management der Knochendichte.