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Östrogene im Überblick

Estradiol (E2) ist das zentrale Medikament der HRT bei trans Frauen. Bei der Wahl des Verabreichungswegs sollte die Sicherheit (konkret das Risiko einer venösen Thromboembolie, kurz VTE) im Vordergrund stehen – und nicht allein Bequemlichkeit oder Kosten.

Vergleich der drei Verabreichungswege von Estradiol: oral über die Leber, transdermal mit direkter Aufnahme, Injektion in die Blutbahn

Die venöse Thromboembolie (Blutgerinnsel) zählt zu den schwerwiegendsten Risiken einer Östrogentherapie. Das Risiko unterscheidet sich erheblich danach, auf welchem Weg das Östrogen in den Körper gelangt [1] .

VerabreichungswegRelatives Risiko (RR)EvidenzgradAnmerkung
Transdermales Pflaster RR ≈ 0.97 A Keine relevante Risikoerhöhung gegenüber Nicht-Anwenderinnen
Transdermales Gel RR ≈ 0.97 A Vergleichbar mit Pflastern, umgeht den First-Pass-Effekt der Leber
Oral (Estradiolvalerat/-hemihydrat) RR ≈ 1.48 A Risiko um etwa 48 % erhöht
Sublingual Begrenzte Datenlage C Umgeht den First-Pass teilweise, theoretisch geringer als oral
Injizierbar (EV/EC/EEn) Begrenzte Datenlage C Umgeht den First-Pass, aber es fehlen große RCT-Daten zum Thromboserisiko

Das folgende Schema beruht auf der aktuellen klinischen Evidenz [2] [3] :

Szenario 1: Bestehende Risikofaktoren für eine VTE

Abschnitt betitelt „Szenario 1: Bestehende Risikofaktoren für eine VTE“

Zu den Risikofaktoren zählen: Alter über 40, BMI über 30, Rauchen, VTE in der Familienanamnese, vorbekannte Gerinnungsstörungen oder Migräne mit Aura.

  • Bevorzugt: Transdermales Pflaster oder transdermales Gel
  • Zu meiden: Orales Estradiol
  • Ebenfalls zu meiden: Die Kombination von oralem Östrogen mit Cyproteronacetat (CPA)

Wählen Sie nach Verfügbarkeit, Budget und persönlicher Vorliebe:

  • Orales Estradiol (Estrace, Progynova): Weltweit meist der günstigste und am breitesten verfügbare Weg.
  • Transdermales Pflaster (Climara, Estradot): Besseres Sicherheitsprofil, kann aber teuer sein oder von weltweiten Lieferengpässen betroffen sein.
  • Sublingual: Orale Tabletten werden unter der Zunge aufgelöst. Höhere Bioverfügbarkeit, führt aber zu starken Spitzen und Einbrüchen im Blutspiegel.
  • Injektionen: Verursachen deutliche Spitzen- und Talschwankungen, sind aber für eine Monotherapie hochwirksam.

Szenario 3: Monotherapie (Östrogen ohne Antiandrogene)

Abschnitt betitelt „Szenario 3: Monotherapie (Östrogen ohne Antiandrogene)“

Wenn Sie das Testosteron allein mit Estradiol unterdrücken möchten, ohne einen eigenständigen Antiandrogen-Blocker einzunehmen:

  • Bevorzugt: Injizierbares Estradiol (EV, EC, EEn) – hält die durchgehend hohen E2-Spiegel zuverlässig aufrecht, die dafür nötig sind.
  • Alternative: Hochdosierte transdermale Pflaster (200-400 µg/day) oder transdermales Gel.
  • Beleg: Eine Studie von Misakian aus dem Jahr 2025 zeigte, dass 82,6 % der Anwenderinnen unter einer injizierbaren EV-Monotherapie eine Testosteronunterdrückung erreichten, ohne ein Antiandrogen zu benötigen [4] .
VerabreichungswegVorteileNachteileTypische Verfügbarkeit
Transdermales Pflaster Geringstes VTE-Risiko; stabile Blutspiegel; Wechsel 1-2 Mal pro Woche Hautreizungen; kann teuer oder weltweit häufig nicht lieferbar sein Mittel
Transdermales Gel Geringes VTE-Risiko; flexible tägliche Dosierung Aufnahme schwankt stark je nach Hauttyp; benötigt Trocknungszeit Mittel
Oral (Tabletten) Am leichtesten erhältlich; sehr günstig; einfach einzunehmen Höheres VTE-Risiko; der First-Pass-Stoffwechsel der Leber verbraucht viel Wirkstoff Sehr hoch
Sublingual Höhere Bioverfügbarkeit als oral; umgeht die Leber teilweise Starke Spitzen und Einbrüche im Blutspiegel; erfordert 2-3 Gaben täglich Sehr hoch (nutzt orale Tabletten)
Injizierbar (EV/EEn) Umgeht die Leber; hochwirksam für die Monotherapie Erfordert Nadeln/kann Spritzenangst auslösen; ausgeprägte Spitzen und Täler im Blutspiegel Je nach Land unterschiedlich (oft DIY)

Übliche Dosisbereiche der verschiedenen Verabreichungswege [2] [3] :

VerabreichungswegStartdosisErhaltungsdosisTypische Höchstdosis
Transdermales Pflaster 50-100 µg/day 100-200 µg/day 400 µg/day
Transdermales Gel 1.5 mg/day 3 mg/day 6 mg/day
Orales Estradiol 2 mg/day 4 mg/day 8 mg/day
Sublingual 1-2 mg/day (aufgeteilt 2-3x) 2-4 mg/day (aufgeteilt 2-3x) 6 mg/day
Injizierbares EV 1-2 mg/week 2-4 mg/week 5 mg/week

Für ausführliche Informationen zu Pharmakologie, Anwendung und den jeweiligen Warnhinweisen der einzelnen Verabreichungswege klicken Sie hier: